Betreuung in Merseburg: Der Klub der Glücklichen- MZ vom 09.12.201

Regina Forgatsch (l.) fühlt sich wohl in der Tagespflege von Theresia Francke (2.v.l.)

(BILD: Peter Wölk)

 

Von 
 
In der Tagespflege des „Pflegeteams Schwester Theresia“ treffen sich täglich rund zwei Dutzend Gäste und verbringen gemeinsam den Tag.
 

MERSEBURG/MZ, 09.12.2014

 

Theresia Francke erinnert sich noch gut an den Mann. Über 90. Dement. Quasi sprach- und teilnahmslos. „Er hat gar nichts gesagt, als ihn seine Familie zum ersten Mal zu uns brachte, und es hat auch eine Weile gedauert. Aber nach zwei bis drei Wochen hat er die ersten Worte gesprochen. Wir haben uns so gefreut“, erzählt die 47-Jährige, die mit ihrem „Pflegeteam Schwester Theresia“ seit Februar in der Merseburger Georgstraße arbeitet und dort auch die einzige Tagespflege der Domstadt anbietet.

Abholung am Morgen

Während 65 Patienten in der ambulanten Pflege, also zu Hause, betreut werden, können täglich 26 Männer und Frauen ihre Zeit vom Frühstück bis zum Nachmittag in der Tagespflegestation vor Ort verbringen. Jeder Gast wird am Morgen von zu Hause abgeholt. Sind alle angekommen, wird gemeinsam gefrühstückt. Nach dem Frühstück und auch später nach dem gemeinsamen Mittagessen verwandeln sich die Schwestern, salopp gesagt, in ein Animationsteam, das mit den Tagesgästen all die Dinge macht, die diesen gefallen, oder sie auch überraschen. Es werden Gesellschaftsspiele gemacht, mit kleinen Aufgaben das Gedächtnis trainiert und Figuren aus Wolle gebastelt. Die Zeitungsschau gehört ebenso dazu wie Malen und ab und zu gemeinsames Kochen. Es werden aber auch Spaziergänge und kleine Ausflüge gemacht. „Alles was unseren Gästen Spaß macht und sie geistig und vielleicht auch körperlich mobil hält, tun wir gern“, lächelt Theresia Francke. „Denn alles trägt dazu bei, dass Menschen möglicherweise nicht in ein Heim müssen, sondern in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.“

Unterschiedliche Pflegestufen

Zu den Gästen der Tagespflege an der Georgstraße zählen Menschen mit unterschiedlichen Pflegestufen, ganz unterschiedlichen Problemen und Befindlichkeiten. Deshalb gibt es manchmal auch Einzelbetreuung, wenn nötig. Doch auch wer keine Pflegestufe hat, sich einfach einsam fühlt, könnte die Tagespflege besuchen - wenn denn noch ein Platz frei ist. „Unser Ziel ist es, dass sich alle wohlfühlen. Und unser Team mag Herausforderungen“, so die Chefin.

Regina Forgatsch gehört vermutlich zu den treuesten Gästen der Tagespflege, oder auch des Klubs, wie bereits einige Damen die Tagespflege nennen. „Ich komme seit der Eröffnung im Februar und bin jeden Tag hier, so gut gefällt es mir“, erzählt die 83-Jährige. Vorher habe sie schon im Pflegeheim gelebt, und es sei ihr nicht sehr gut gegangen. „Ich wusste einfach nichts mehr, konnte mich an vieles nicht erinnern.“ Das sei jetzt viel besser geworden, und sie lebe wieder in ihrer eigenen Wohnung. Beim Team von Schwester Theresia fühle sie sich wohl. „Wenn man möchte, kommt sogar der Friseur hierher und schneidet die Haare.“

Leidenschaft Baden

Und noch eine Leidenschaft haben die Tagesgäste: Baden. „Wir haben ein Pflegebad“, lächelt Theresia. „Und das lieben alle so sehr, dass sie sogar schon einen Badeplan erstellt haben.“ Diese Leistung zahle keine Kasse. „Das gibt’s von uns einfach gratis dazu“, sagt die engagierte Chefin. Die 47-jährige hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester und Rettungsassistentin gemacht, hat lange in der Notfallambulanz des Klinikums gearbeitet und sich dann zum Schritt in die Selbstständigkeit entschlossen, wovon die Tagespflege ein Teil ist. Was sie gerade daran liebt? „Die Tagesgäste bekommen bei uns Anerkennung, erfahren Wertschätzung und Lob für das, was sie bei uns tun“, erzählt sie lächelnd. „Damit haben wir hier fast immer glückliche Menschen.“