Was ist Verhinderungspflege bzw. Ersatzpflege?

Die Pflegebedürftigkeit in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr. Daher sind Heimplätze und Kurzzeitpflegeplätze sehr begehrt. Aber es werden auch viele ältere Menschen von Angehörigen zu Hause gepflegt und betreut. Das ist natürlich eine große Herausforderung und eine zeitliche  Belastung denn: „Was passiert wenn man selbst in den Urlaub fahren möchte, einen Arzttermin hat oder einfach mal zum Konzert möchte?“. Dann kommt die Verhinderungspflege zum Einsatz.

Die Verhinderungspflege (oder auch Ersatzpflege) entlastet daher pflegende Angehörige die den pflegebedürftigen Menschen regelmäßig betreuen,  durch den Einsatz eines Pflegedienstes, andere Verwandte oder Bekannte. Diese Leistung der Pflegeversicherung ist im §39 im SGB XI genau geregelt.

 

Wer hat Anspruch auf Verhinderungspflege

Jeder ab Pflegegrad 2 (früher Pflegestufe 0) der bereits seit 6 Monaten in der Häuslichkeit durch Verwandte, Bekannte, Nachbarn oder den Pflegedienst versorgt wird hat einen Anspruch auf Verhinderungspflege.

Dieser Anspruch beträgt maximal 6 Wochen im Jahr. 

Möglich ist auch die Betreuung stundenweise, solang es 8 Stunden nicht überschreitet. Das wird nicht als ganzer Tag gerechnet und somit nicht von der gesamten Anspruchsdauer abgezogen.

 

 

Wo beantrage ich die Verhinderungspflege?

Viele Krankenkassen haben bereits einen Vordruck der nur ausgefüllt werden muss. Es ist allerdings nicht zwingend notwenig, dass die Verhinderungspflege vorher genehmigt wird. Wichtig ist, dass alle Nachweise und Belege gesammelt werden um diese später bei der Krankenkasse einzureichen (z.B. Rechnungen). Das Geld bekommt man dann rückwirkend. Das Pflegegeld wird dabei nicht gekürzt.

Wieviel Geld erhält man?

Da ist es wichtig in welchem Verwandtschaftsgrad man zu dem Pflegebedürftigen steht. Das bedeutet wenn man im Verwandtschaftsgrad bis 2. Grades mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert ist:

  • Eltern            
  • Stiefeltern
  • Großeltern        
  • Schwager/ Schwägerin
  • Kinder        
  • Schwiegereltern
  • Enkelkinder
  • Geschwister 

hat man Anspruch auf das 1,5 fache Pflegegeld was der Pflegebedürftige sonst erhält.

Also Pflegegeld geteilt durch  28 Tage x 42 Tage. (Bsp. Pflegegrad 3 erhält monatl. 545€ Pflegegeld, daraus ergibt sich folgende Rechnung – 545/28 x 42 = 817, 50€)

Wenn kein Verwandtschaftsgrad vorliegt z. B. Bekannte oder Nachbarn beträgt der Anspruch von Pflegegrad 2 bis Pflegegrad 5 max. 1612€. Und der Möglichkeit des nicht genutzten Kurzzeitpflege Budgets von 806€ mit zu benutzen. 

 

Was für Leistungen beinhaltet die Verhinderungspflege:

Hilfe bei der Grundpflege:

  • Körperpflege
  • Mahlzeiten zubereiten
  • Hilfe bei der Ausscheidung
  • An- und Auskleiden
  • Aufstehen/ zu Bett gehen, Sitz-, Geh- und Stehübungen

 

Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Wäsche waschen
  • Einkaufen
  • Betten beziehen

 

Was kann nicht mit der Verhinderungspflege gemacht werden:

  • Keinen Großputz (z.B. Gartenarbeit oder Fenster putzen)
  • Keine Behandlungspflege (z.B. Medikamente geben, Insulin verabreichen, Verbandwechsel)

 

Bleiben Sie gesund und gönnen Sie sich ein bisschen Zeit für sich selbst. 

 (Autor : Anna Oversberg)

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